alte Bienewaben einschmelzen

Sonstige Nutzung der Öfen
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Franz Ose
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alte Bienewaben einschmelzen

Beitrag von Franz Ose » 22. Jul 2017, 21:32

Hallo Backofenfreunde
wie ihr vielleicht wisst, betätige ich mich nebenbei als Hilfsimker meiner Tochter.

Neben den vielen schönen Arbeiten rund um die Bienenvöker gibt es aber auch eine Arbeit die wahrscheinlich kein Imker so richtig gerne macht. Altwaben einschmelzen.
Wir haben das heute am Backofen gemacht.
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Hans22
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Re: alte Bienewaben einschmelzen

Beitrag von Hans22 » 23. Jul 2017, 06:27

Hallo Franz Ose,
wahrscheinlich eine saudumme Frage von mir als absoluter Laie (aber es interessiert mich halt mal): Kann man die nicht einfach mit einem Cutter raus schneiden?
Was da unten raus tropft ist ja vermutlich auch nur ein Honig-Wachs-Gemisch und nicht unbedingt recyclebar, oder doch?
Grüßle,
Hans

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Franz Ose
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Re: alte Bienewaben einschmelzen

Beitrag von Franz Ose » 23. Jul 2017, 10:50

Hallo Hans,
ja das geht, ist aber nur der 1. Schritt.
Das Ziel ist es ja, alte Rähmchen, die nach einer bestimmten Zeit aus hygienischen Gründen ausgewechselt werden müssen,
Wachsschmelze 4.jpg
Wachsschmelze 4.jpg (69.07 KiB) 8408 mal betrachtet
nicht durch Kauf von Neue zu ersetzen, sondern vom Wachs zu befreien und gleichzeitig zu entkeimen um sie dann mit neuen Waben wieder zu versehen. Eine gute Wabenhygiene hilft auch gegen Wachsmotten. Ins Wabenlager kommen nur Honigwaben. Auf reine Honigwaben können sich Wachsmotten nicht entwickeln.
Nebenbei bemerkt, erspart man sich durch das Ausschmelzen der kplt. Rähmchen auch das lästige Neuverdrahten.
Das Wachs der alten Waben muss dann im 2. Schritt von all den Verunreinigungen wie Futterreste, Kokonhüllen, Maden, Mottenbefall u.s.w. getrennt werden.
Im Normalfall entweder durch Trocken- oder Feuchtschmelzung
Eine energiesparende Trockenschmelzvariante ist z.B. das Einschmelzen mit Sonnenwachsschmelzer, vorausgesetzt man hat nicht so einen verregneten Sommer wie diesen, möglich.
Bei der Feuchtschmelzung werden die Waben in Wasser ausgekocht, bzw mit Dampf zum Schmelzen gebracht.
Durch das Ausschmelzen im Backofen, wir haben das bei etwas unter 200° gemacht, geht es 1. sehr schnell und 2. mit 100% Sicherheit sind Rähmchen und Wachs frei von Keimen und Sporen.
Bedenken, dass sich das Wachs entzünden könnte, brauch man bei der Einschmelzvariante "im Ofen", wohl eher nicht haben, zumal die Selbstentzündungstemperatur von Bienenwachs lt. Internetrecherche bei ca. 295° liegen soll.
Da aber die Verdampfung von Wachs bei ca. 250° einsetzt, würde ich um den Ofen und im Besonderen den Schornstein vor Wachsablagerungen zu schützen, das Einschmelzen unter 200° machen.
Wobei ich jetzt gelesen habe, wenn Wachs über 100° erhitzt wird, wird es um es weiter verarbeiten zu können, zu spröde . Wir werden sehen.
Im 3. Schritt letztendlich, egal ob das Wachs nun für die eigene Mittelwandherstellung oder für Kerzen verwendet werden soll, muss es dann noch durch wiederholtes Einschmelzen und Filtern geklärt werden.

Wenn man bedenkt, dass die Bienen 6 kg Honig verbrauchen um genügend Energie für die Produktion von 1 kg Wachs aufzubringen, ist das doch eine Arbeit, von der sowohl die Biene als auch der Imker etwas hat.

Das Ergebnis von gestrigen Einschmelztag: 10 l Wachs
Wachsschmelze 5.jpg
Wachsschmelze 5.jpg (51.49 KiB) 8408 mal betrachtet
... das sind ca. 60 kg Honig, welchen die Bienen neben den normalen Ertrag zusätzlich erwirtschaften mussten.


Der Hilfsimker
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Re: alte Bienewaben einschmelzen

Beitrag von Hans22 » 24. Jul 2017, 06:55

Hallo Franz Ose,
danke für den ausführlichen Bericht, das Thema Hygiene hatte ich (Laie) natürlich nicht auf dem Focus. Und auch nicht, wie viele unterschiedliche Arbeitsschritte das sind, um Honig zu bekommen.
Das hört sich alles nach sehr viel Arbeit an, da braucht's anscheinend schon ein Familienunternhemen, um den eigenen Honig zu produzieren :wink:

Grüße an den Hilfsimker,
Hans

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Re: alte Bienewaben einschmelzen

Beitrag von Franz Ose » 24. Jul 2017, 12:18

...hier geht's nur um Wachsgewinnung.
Die Honigernte ist gar nicht dabei. Das ist dann nochmal eine andere Geschichte.
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Re: alte Bienewaben einschmelzen

Beitrag von DerHenkelmann » 25. Sep 2017, 21:42

Auf der Chefsache habe ich einige Eindrücke erhalten was mit Bienenwachs beim kochen möglich ist. Milch aromatisieren, in Wachs garen usw. die Videos sind demnächst auch über den Chefsache Kanal bei YouTube .
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